Der Begriff „Digitaler Zwilling“ wurde in so vielen Präsentationen und Diskussionen gebraucht, dass er Gefahr läuft, bedeutungslos zu werden. Branchenforen und Whitepaper sind voll von Debatten darüber, was genau als digitaler Zwilling gilt. Ist es ein 3D-Modell? Muss es in Echtzeit arbeiten? Welcher Grad der Datenintegration ist erforderlich? Diese Fragen, so relevant sie auch sind, lenken trotzdem allzu häufig vom Wesentlichen ab: Sie konzentrieren sich auf das Etikett – nicht auf die Wirkung.
In der Praxis ist ein digitaler Zwilling kein abstraktes Ideal, das diskutiert oder bewundert werden soll – es ist ein praktisches Werkzeug. Er existiert, um reale Herausforderungen zu lösen: Ausfallzeiten reduzieren, Sicherheit verbessern, Leistung optimieren, Ergebnisse simulieren oder Einblicke zu generieren, die bisher nicht möglich waren. Wenn dies erreicht wird, dann ist die Reinheit der Definition nebensächlich. Ob das System dem Lehrbuch entspricht oder die Grenzen des Begriffs erweitert, spielt für den Fabrikleiter, der einen Geräteausfall vermeiden will, keine Rolle. Die wichtigere Frage ist: Ein Zwilling von was – und zu welchem Zweck?
Von Definitionen zu Ergebnissen: Den Fokus neu ausrichten
Schauen wir uns das im Kontext an. Wenn die Diskussion an Ergebnissen ausgerichtet ist, entsteht Klarheit. Der digitale Zwilling einer Produktionslinie sollte Teams helfen, Ausfälle vorherzusehen. Der digitale Zwilling für ein Gebäude sollte aufzeigen, wie sich Systeme über die Zeit und unter unterschiedlichen Bedingungen verhalten. In komplexen Umgebungen wie Industrieanlagen kann ein digitaler Zwilling zum Werkzeug werden, das Entscheidungen unterstützt, Teams verbindet, Simulationen ermöglicht und die Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen verbessert.
Was diese Beispiele verbindet, ist nicht die Architektur hinter den Modellen oder die Anzahl der Kästchen im Systemdiagramm. Was sie verbindet, ist der Zweck. Sie alle beantworten dieselbe Kernfrage: Was ist das Problem – und wie können wir es besser lösen, indem wir das Unsichtbare sichtbar, das Statische dynamisch und das Reaktive proaktiv machen?
Zu oft konzentrieren sich Organisationen auf den digitalen Zwilling selbst – sein Design, seinen technischen Umfang, seinen Hype-Faktor – statt zuerst zu verstehen, was wirklich verbessert werden muss. Das führt zu Lösungen, die nach einem Problem suchen, anstatt zu Systemen, die für die Lösung eines konkreten Problems gebaut wurden. Bei FRAMENCE ermöglichen wir es zum Beispiel, mit fotorealistischen 3D-Umgebungen, die aus Fotografien erstellt werden, zu interagieren. So können Teams komplexe Anlagen navigieren, Probleme frühzeitig erkennen und schneller und fundierter entscheiden. Es geht nicht darum, jede Definition zu erfüllen, es geht darum, relevante Ergebnisse zu liefern.
Zweckorientiert denken: Warum der Kontext entscheidend ist
Deshalb ist Kontext alles: Welchen digitalen Zwillings man benötigt, hängt ganz von dem jeweiligen System und den verfolgten Zielen ab. Ein digitaler Zwilling für die vorausschauende Wartung sieht ganz anders aus als einer, der auf Energieoptimierung abzielt. Ein digitaler Zwilling, der zur Schulung von Mitarbeitenden dient, benötigt andere Eingaben und Ausgaben als einer, der den physischen Verschleiß simuliert. Statt zu fragen, ob ein Modell den Vorstellungen eines digitalen Zwillings entspricht, sollten wir besser fragen, ob es zu seinem vorgesehenen Einsatzzweck passt.
Ironischerweise werden digitale Zwillinge umso mächtiger und praxisnäher, je weniger wir uns auf starre Definitionen konzentrieren. Definitionen engen Möglichkeiten ein, Ergebnisse öffnen sie. Übertriebene Definitionen bilden Kästen, die nützliche Lösungen ausschließen, nur weil sie nicht zur vorgegebenen Checkliste passen. Im Gegensatz dazu ist eine Diskussion, die auf Ergebnisse fokussiert, im konkreten Nutzen verankert, statt zwischen Theorien zu oszillieren.
Deshalb sollte man digitale Zwillinge nicht als Kategorie verstehen, die bestätigt werden müssen, sondern als Werkzeuge des Wandels begreifen. Gerade in diesem Moment denken Sie vermutlich auch nicht darüber nach, ob Sie auf einem Monitor, einem Bildschirm oder einem Display lesen – es funktioniert einfach. Genauso sollte es auch beim digitalen Zwilling gelten: Sein Wert liegt nicht in der Definition, sondern darin, was er bewirkt.
Das ist die entscheidende Diskussion. Und darin liegt sein wahrer Benefit.
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